24. Februar 2018 Britta Littke-Skiera

Tafeln: Zwei Seiten einer Medaille

 

Am 22. Februar diesen Jahres feierte die Tafel ihr 25-jähriges Bestehen. Aber die Existenz von Tafeln und anderen Lebensmittelausgaben sollte kein Grund zum Feiern sein. Im Gegenteil.

Zugegeben: Tafeln verhindern teilweise, dass Menschen, die in bitterer Armut leben, hungern müssen. Wer eine der Lebensmittelausgaben in erreichbarer Nähe hat und es schafft, die eigene Scham zu überwinden, kann am Ende der Wartezeit in der Schlange ein mehr oder minder ausreichendes „Nahrungsmittelpaket“ mit nach Hause nehmen.

Denn ein Leben in Bedürftigkeit bedeutet in der Regel, dass das Geld für den Lebensunterhalt nicht ausreicht und dringend zum puren Überleben benötigt wird. Neuanschaffungen oder Reparaturen von Haushaltsgeräten werden dann zu einer existentiellen Katastrophe, auch für Kleidung oder notwendige Medikamente bzw. Heilbehandlungen fehlt das Geld. Verschärft wird diese Situation u.a. durch Mieten, die von den Jobcentern nicht vollständig übernommen werden, und fehlerhafte Leistungsbescheide zu Lasten der Betroffenen. Das trifft auch erwerbstätige Menschen, die  gezwungen sind, ihren mageren  Verdienst mit ALG II aufzustocken, um zu überleben.  Es ist jedoch erbärmlich, wenn Menschen im reichen Deutschland aufgrund bitterer Armut zwischen dem Gang zur Tafel oder Hunger entscheiden müssen.

Darüber hinaus verschärfen Tafeln die unvorstellbare massenhafte Armut, denn sie erleichtern es dem Personal der Arbeitsagenturen und Jobcenter, eine Vielzahl von Sanktionen zu verhängen. Dabei können schon sehr geringe "Vergehen" dazu führen, sanktioniert zu werden. Eine "falsche" Frage im Vorstellungsgespräch vielleicht oder die nicht erfolgte Abgabe längst vorliegender Formulare beim  ALG II-Folgeantrag. Scharf sanktioniert werden auch immer wieder Menschen, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, bestimmte Tätigkeiten auszuüben.

Der eigentliche Skandal ist, dass es in unserem reichen Land überhaupt Tafeln geben muss. Es ist genug für alle da, es muss nur umverteilt werden. Das gilt sowohl hinsichtlich des Vermögens als auch der Arbeitszeit.

Hartz IV wurde erfunden, um Erwerbstätige erpress-  bzw. ausbeutbar und Bedürftige gefügig zu machen. Davon profitieren allein die Arbeitgeber. Eine existenzsichernde, armutsverhindernde, sanktionsfreie Grundsicherung anstelle von Hartz IV würde hier Abhilfe schaffen. Diese ist aber im Kapitalismus offensichtlich politisch nicht gewollt.

Britta Littke-Skiera